Klare Kommunikation: Kommen Sie auf den Punkt!

Einfache, klare Kommunikation und ihre Vorzüge im Alltag

Was für ein Kommunikationstyp sind Sie?

Antworten Sie kurz und knapp? Nur, wenn Sie gefragt werden? (10  Wörter)

Oder nutzen Sie jede sich bietende Gelegenheit, um Ihr Wissen, gespickt mit Schachtelsätzen, ausschweifend zu präsentieren, mit blumigen Worten dramatisch zu umschreiben und mit allerlei Fachtermini, Synonymen, Metaphern und Fremdwörtern zu spicken, um den Inhalt aufzubauschen in dem Versuch, ihm damit noch mehr Bedeutung zu verleihen? (46 Wörter)

Dann möchte ich Ihnen sagen: Kommen Sie auf den Punkt! Reden Sie Klartext. Bleiben Sie beim Wesentlichen und streichen Sie alles heraus, was der Adressat nicht braucht, um Sie zu verstehen. Und bitte: Vermeiden Sie Schachtelsätze! Formulieren Sie Ihre Sätze kurz und eindeutig.

Ein Negativbeispiel aus meiner Arbeit

Warum diese Bitte? Aus aktuellem Anlass. Vor ein paar Tagen hatte ich ein Interview zu transkribieren und die Moderatorin hat mich mit genau diesen Dingen zur Verzweiflung getrieben. Das liest sich dann ungefähr so: „Ach gut, ja, okay, prima, verstehe. Dann lassen Sie uns mal – und das ist mir jetzt ganz wichtig, weil Sie sind ja der Experte…“ Und so weiter. Klare Kommunikation: Fehlanzeige. Die Kompetenz dieser Moderatorin? In meinen Augen gleich null.

Das bringt mich zur Leichten Sprache. Würde ich die Regeln der Leichten Sprache auf das Interview-Transkript anwenden und alles herausstreichen, was unnötig ist und weggelassen werden kann, wäre der Text um mindestens die Hälfte kürzer.

Leichte Sprache ist entlarvend, nicht nur in diesem extremen Fall. Wir alle sollten uns das zu Herzen nehmen und unser Sprach- und Schreibverhalten daraufhin überprüfen:

  • Wo können wir deutlicher formulieren?
  • Was können wir weglassen?
  • Müssen wir unbedingt Schachtelsätze verwenden? Oder können wir daraus einzelne, kürzere Sätze machen?
  • Und überhaupt: Was wollen wir eigentlich sagen?

Es könnte so einfach sein. Aber warum verwenden wir dann trotzdem eine solch mühsame Methode, um uns auszudrücken? Nun, wenn wir Fachvokabular und Fremdwörter verwenden, weisen wir uns als Experten auf unserem Gebiet aus. Dadurch erhöhen wir unsere eigene Bedeutung gegenüber anderen. Wir fühlen uns kompetenter und erfahren dadurch Selbstbestätigung. Das gibt uns ein Gefühl von Selbstsicherheit, was uns durch unsichere Situationen trägt, z. B. bei einem Bewerbungsgespräch. Oder auch auf einer Party im Small-Talk mit fremden Personen.

Aber es ist viel besser für alle, wenn wir in der Kommunikation mit anderen nicht nur auf uns selber schauen. Stattdessen sollten wir den Adressaten mit einbeziehen. Wir sollten uns klarmachen, dass wir bei unserem Gegenüber nicht immer dasselbe Fachwissen voraussetzen können. Ist dies der Fall, kann der Adressat uns nicht richtig verstehen.

Die wichtigsten Regeln der Leichten Sprache

Das ist das Prinzip der Leichten Sprache:

  • Wir setzen kein Wissen voraus.
  • Das Wichtigste kommt zuerst.
  • Fachwörter werden vermieden bzw. erläutert, wenn es nicht anders geht.
  • Jeder Satz enthält nur eine Aussage.
  • Alles Unnötige: Weg damit.

Übrig bleiben: Übersichtliche Informationen und eine klare Kommunikation. Dabei ist es wichtig, mit dem Vorurteil aufräumen, dass wer einfach oder leicht spricht, über keine Kompetenz verfügt. Es ist vielmehr ein Zeichen von hoher Kompetenz, wenn Sie in der Lage sind, Ihre Inhalte einfach, klar strukturiert und mit wenigen Worten zu präsentieren. Denn damit weisen Sie sich als einfühlsamer Gesprächspartner aus, der sein Gegenüber mit einbezieht.

Natürlich ist es am Anfang nicht einfach. Aber probieren Sie es aus! Fangen Sie heute an. Hören Sie sich selber zu: Welche Füllwörter verwenden Sie häufig? Vermeiden Sie sie konsequent. Welche Fremdwörter tauchen in Ihrer Kommunikation auf und in welchen Situationen? Ihr Gesprächspartner ist nicht vom Fach? Dann passen Sie Ihre Wortwahl an. Sie sind ein „Schachtelsatz-Liebhaber“? Teilen Sie ab heute Ihre Sätze in kleinere, besser verdauliche Häppchen auf. Ihr Adressat wird es Ihnen danken.

Bringen Sie also generell mehr Eindeutigkeit, Verständlichkeit und Klarheit in Ihre Kommunikation. Ob mündlich oder schriftlich. Ob im privaten Gespräch oder in der Unternehmenskommunikation. Kommen Sie auf den Punkt.

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