Meine Haltung zu KI
Künstliche Intelligenz – oder kurz KI – ist gekommen, um zu bleiben. KI schreibt Texte, erstellt Designs und übersetzt Sprachen. Ja, sie schreibt sogar Codes und erstellt Apps und was weiß ich nicht alles. Auch bei mir als Übersetzerin für Englisch und Leichte Sprache ist die Frage nach dem Einsatz von KI ein immer wichtigeres Thema. Doch wie stehe ich dazu? Was bedeutet Künstliche Intelligenz für meine Arbeit – und welche Verantwortung habe ich dabei?
Meine Haltung: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt
Für mich ist klar: KI ist ein Werkzeug, aber kein Ersatz für menschliche Intelligenz. Künstliche Intelligenz kann Prozesse beschleunigen und Routineaufgaben erleichtern. Aber die eigentliche Arbeit, die Grundvoraussetzung für passgenaue Inhalte, nämlich das Verstehen von Zielgruppen und das Einfühlen in ihre Bedürfnisse, bleibt immer noch eine zutiefst menschliche Aufgabe.
Leichte Sprache ist durchaus ein sensibler Bereich, denn mit unseren Texten tragen wir Verantwortung für jene, die auf uns angewiesen sind. Deshalb ist es wichtig, dass Texte nicht nur formal „richtig“, sondern auch auf andere Weise angemessen sind. Das heißt, dass auch folgende Faktoren in die Übersetzung einfließen: Wer will hier etwas kommunizieren und an wen? Was soll der Text bezwecken und in welcher Situation wird er gelesen? Und zielt der Text auf eine spezielle Zielgruppe ab, oder soll er möglichst viele Menschen erreichen?
Hier stoßen KI-Modelle an ihre Grenzen. Sie können keine Empathie entwickeln und keine Rückmeldungen der Zielgruppe einholen. Deshalb sehe ich Künstliche Intelligenz vor allem als unterstützendes Werkzeug, das von uns Menschen verantwortungsvoll eingesetzt werden muss.
Qualität und Verantwortung: Warum Standards wichtig sind
Je häufiger und intensiver KI-Tools eingesetzt werden, umso dringender stellt sich die Frage nach Qualität, aber auch nach Verantwortung: Wer mit KI arbeitet, muss sicherstellen, dass die Ergebnisse den hohen Standards genügen, die wir als professionelle Übersetzerinnen und Texterinnen haben. Und wer mit KI arbeitet, muss sich der Verantwortung bewusst sein, korrekte und angemessene Inhalte zu liefern. Das bedeutet:
- Prüfung und Nachbearbeitung: KI-generierte Inhalte müssen immer von Menschen geprüft werden, um sicherzustellen, dass sie korrekt, verständlich und ethisch vertretbar sind.
- Langfristiges Vertrauen: Ich schaue auf viele Jahre Übersetzungsarbeit zurück und habe gelernt: Qualität und Zuverlässigkeit sind die Grundlagen für Vertrauen. Wenn wir uns jedoch auf Künstliche Intelligenz verlassen, ohne Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, riskieren wir Fehler und damit riskieren wir, das gewonnene Vertrauen zu verlieren.
- Weiterbildung und Verantwortung: Der verantwortungsvolle Umgang mit KI erfordert ständige Beschäftigung mit dem Thema und Weiterbildung. Es reicht nicht, die Tools zu nutzen. Wir müssen sie verstehen und ihre Auswirkungen kritisch reflektieren. Der Begriff vom lebenslangen Lernen trifft hier in hohem Maße zu.
Warum ich mich mit dem Thema intensiv auseinandersetze
Als Übersetzerin und Trainerin kann ich Künstliche Intelligenz nicht ignorieren. Wie gesagt: KI ist gekommen, um zu bleiben. Also sehe ich es als meine Verantwortung, mich aktiv mit KI und ihren Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Ich möchte einen guten Weg finden, wie ich diese Technologie sinnvoll in meine Arbeit integriere und gute Ergebnisse erziele, ohne meine persönliche menschliche Note zu verlieren.
Siegel und Kodizes: Zeichen für Qualität
In meiner Haltung zu KI lasse ich mich von Standards und Kodizes inspirieren. Gerade neu erschienen ist der erste KI-Kodex für Leichte Sprache: Der Kodex für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für Leichte Sprache. Er wurde von einer Expertengruppe entwickelt und kommt gerade zur rechten Zeit. Sehr lohnenswert zu lesen!
Dann gibt es seit einiger Zeit das Siegel für menschliche Intelligenz. Es macht deutlich, dass es bei der Arbeit mit KI nicht nur um Effizienz geht, sondern auch um Verantwortung und Ethik. Wer ein solches Siegel trägt, verpflichtet sich, KI verantwortungsvoll einzusetzen und dabei die menschliche Intelligenz nicht zu verdrängen. Ich finde diesen Ansatz sehr wertvoll, denn er zeigt, dass KI und Qualität Hand in Hand gehen können – wenn wir sie bewusst und reflektiert nutzen.
Mein Fazit: Menschliche Intelligenz führt Künstliche Intelligenz
KI ist ein Werkzeug, das unsere Arbeit bereichern kann. Aber sie ist kein Ersatz für die menschliche Intelligenz, Kreativität und Empathie, die es braucht, um wirklich gute und barrierefreie Inhalte zu schaffen. Ich nutze KI als Arbeitshilfe, vertraue aber weiterhin auf meine eigene Urteilskraft. Bei Texten hat nicht die KI, sondern habe ich IMMER das letzte Wort. Das ist meine Haltung, und die werde ich auch in Zukunft nicht aufgeben.