KI für Leichte Sprache

Wie ich KI für Leichte Sprache nutze

Leichte Sprache und Künstliche Intelligenz – das klingt erst einmal ziemlich unvereinbar, geht es doch bei Leichter Sprache ganz viel um Empathie, Inklusion, Menschen mitnehmen, keinen zurücklassen, usw.

KI hingegen ist das große, anonyme Universum, das Dir alle möglichen Antworten liefert, aber bei dem Du nie so richtig weißt, woran Du bist – irgendwie schlecht greifbar, ein bisschen unheimlich und unpersönlich ( auch wenn KI sehr gut darin ist, Freundlichkeit vorzutäuschen).

Aber tatsächlich hat KI das Potential, Menschen mit Einschränkungen das Leben deutlich zu vereinfachen, sei es mit Erklärungen oder Informationen. In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich zurzeit KI für Leichte Sprache einsetze und dass dabei meine menschliche Intelligenz keineswegs auf der Strecke bleibt. Das zeige ich übrigens auch mit diesem Siegel hier.


Der erste Schritt: Ausgangstext analysieren:

Alles beginnt mit dem Ausgangstext. Diesen analysiere ich mit Hilfe von KI-Tools. Dabei geht es nicht nur um die Wörter, sondern um das große Ganze:

  • Struktur und Thema: Wie ist der Text aufgebaut, und welcher rote Faden zieht sich durch? Ist die vorgegebene Struktur auch für meine Zielgruppe die richtige? Oder braucht meine Zielgruppe einen anderen Aufbau? Wo sind die zentralen Aussagen im Text? Die müssen in meinem Text ganz nach vorne.
  • Implizite Informationen: Was wird zwischen den Zeilen gesagt und muss explizit gemacht werden, damit der Leser es versteht? Wo wird Vorwissen vorausgesetzt, aber nicht ausdrücklich genannt? Vorwissen ist bei der Zielgruppe mal mehr, aber meistens eher weniger vorhanden. Also muss ich diese Stellen finden, damit ich dort später Informationen ergänzen kann.
  • Ungenauigkeiten und schwierige Begriffe: Wo fehlen klare Definitionen, und welche Fachwörter brauchen eine verständliche Erklärung? Wo gibt es Schwachstellen in der Argumentation bzw. funktioniert die Argumentation für meine Zielgruppe oder brauche ich andere Argumente oder Beispiele aus dem Leben?

All diese Fragen stelle ich der KI und erhalte eine Analyse. Diese Analyse bildet die Grundlage für den nächsten Schritt: das, was ich Pre-Editing nenne.


Die Basis für den Text schaffen: Pre-Editing

Pre-Editing bedeutet, ich strukturiere den Text neu, bevor die eigentliche Übersetzung beginnt. An dieser Stelle spielt KI keine Rolle für mich.

  • Einleitung und Struktur: Ich überlege, wie ich den Leser am besten ins Thema einführe. Oft sortiere ich die Absätze um, damit meine Leserschaft erst einmal mit den wichtigsten Infos konfrontiert wird. Ich kann mir ja nicht sicher sein, dass sie den gesamten Text liest. Mit den Infos am Anfang habe ich die größte Chance, dass der Text den Lesern hilft.
  • Kürzen und ergänzen: Lange und komplexe Texte breche ich in einzelne Sätze um, ohne Feinschliff. Es geht hier erst einmal darum, eine Ausgangsbasis zu schaffen. Es kann auch gut sein, dass ich in diesem Schritt ganze Absätze herauslösche, weil sie vom Thema wegführen, zu komplex oder schlicht nicht relevant sind. Gleichzeitig füge ich unter Umständen auch Details hinzu, die im Originaltext fehlen, aber für das Verständnis wichtig sind.
  • Abschnitte klar gliedern: Ich gliedere den Text thematisch klar in Abschnitte und achte darauf, dass jeder Absatz eine zentrale Aussage hat. Damit habe ich bisher die besten Ergebnisse von KI erzielt.

Nachdem ich den Text auf diese Weise voreditiert habe, gebe ich ihn wieder in die KI für eine Vorübersetzung. Da ich ohne ein spezifisches KI-Tool zur Übersetzung in Leichte Sprache arbeite, bekomme ich natürlich kein ideales Ergebnis. Aber ich erhalte einen Text, der mir schon eine Idee liefert, wie der finale Text aussehen könnte.


Vom Entwurf zum finalen Text

Daraus erstelle ich meinen finalen Text. Die Vorarbeit der KI hilft mir, mich besser im Text zu orientieren, der ja eine völlig neue Struktur hat, insbesondere bei langen und komplexen Texten.

Dieser Schritt ist und bleibt für mich der wichtigste Teil des gesamten Prozesses. Hier fließt meine menschliche Intelligenz in die Arbeit. Der Text spricht meine Sprache und entsteht nach meinen Wünschen, immer die Zielgruppe im Auge behaltend, maßgeschneidert.

Aber dann kommt doch wieder ein Punkt, an dem KI für Leichte Sprache etwas tun kann, nämlich:


Der letzte Check: KI als Kontrollinstanz

Hier nutze ich KI ein letztes Mal: Ich lasse sie den finalen Leichte-Sprache-Text mit dem Ausgangstext vergleichen. So prüfe ich:

  • Habe ich alle wichtigen Punkte erwähnt? Was habe ich vergessen?
  • Ist meine Struktur logisch und vollständig? Wird die Leserschaft ausreichend angesprochen, oder klingt mein Text zu anonym? Habe ich die Infos richtig den einzelnen Absätzen zugeordnet? Oder gehört eine Info in einen ganz anderen Absatz?
  • Gibt es Schwachstellen oder Unklarheiten? Sind meine Erklärungen verständlich?

An dieser Stelle kann KI ihre – für mich – größte Stärke ausspielen: ihre analytischen Fähigkeiten. Während ich vielleicht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe oder durch ständiges Lesen und Überarbeiten betriebsblind geworden bin, ist KI komplett unbestechlich und zeigt mir auf, wo ich nachbessern kann. KI für Leichte Sprache als Kontrollinstanz gibt mir tatsächlich das Vertrauen und gute Gefühl, dass der Text theoretisch funktioniert. Ob er auch in der Praxis funktioniert, sagt mir später die Prüfgruppe.


Fazit: KI für Leichte Sprache ist ein Mehrwert

Künstliche Intelligenz ist tatsächlich ein wertvolles Werkzeug im Übersetzungsprozess. KI ist meine Ping-Pong-Partnerin, meine Kollegin, die ich im realen Leben nicht habe, ein Korrektiv, das mir aufzeigt, wo ich falsch liege und wo nicht. KI ist die Analytikerin, die ich nie sein werde, egal, wie ich mich anstrenge. KI bringt Ordnung in meinen Übersetzungsprozess, ganz besonders bei langen Texten. KI für Leichte Sprache darf bleiben. Aber eins muss klar sein: Ich beherrsche die KI. Nicht anders herum.

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