Das BarCamp der Lebenshilfe in Marburg

Mein erster und eindrücklichster Eindruck, als ich Anfang des Monats das BarCamp der Lebenshilfe in Marburg besuchte, war:

Die Leichte-Sprache-Szene ist lebendig!

Alexander Mühlberger, Henrik Nolte und ihr Team haben echte Pionierarbeit geleistet und es geschafft, erstmalig mehr als 60 Menschen in Präsenz zu versammeln, die sich alle in der ein oder anderen Weise mit Leichter Sprache beschäftigen. Unter dem Motto Leichte Sprache – Leichtes Leben tummelten sich Personen aus allen möglichen Sparten. Als Keynote-Speaker gab der Journalist Holger Fröhlich einen unterhaltsamen Einblick in seinen Umgang mit Leichter Sprache, den man in seiner regelmäßigen Kolumne im brand eins Magazin nachlesen kann. Ich könnte nun den ganzen Beitrag mit Lob über die Organisation und das gesamte BarCamp füllen. Ich könnte seitenlang darüber schreiben, wie wohltuend, aber auch lustig es war, plötzlich lebensgroße Menschen in Fleisch und Blut zu sehen, die man jahrelang nur als briefmarkengroße Kachel auf Zoom kannte. Aber darum geht es mir hier gar nicht. Viel wichtiger waren diese

Erkenntnisse:

  • Sehr viele Experten aus allen möglichen Bereichen befassen sich mit Leichter Sprache
  • Alle haben sich in ihren Bereichen bereits ein hohes Maß an Kompetenz erarbeitet
  • Der Wunsch nach Vernetzung ist groß

Tatsache ist, dass Leichte Sprache schon längst viel mehr umfasst als das reine Übertragen in leicht verständliche Sprache. Das wurde bei der Wahl der Themen deutlich.

Themen des BarCamps

Anfangs in großer Runde erhielten wir Kärtchen und schrieben jeweils ein bis zwei wichtige Themen bezüglich Leichter Sprache auf, die wir im BarCamp gerne vertiefen würden. Die Kärtchen wurden dann thematisch sortiert und es ergaben sich nahezu 20 Themenfelder. Darunter Fragen wie:

  • Wie erreichen wir die Zielgruppe?
  • Wie können Prüfende entlohnt werden?
  • Was ist mit der DIN Spec?
  • Wie gehen wir mit KI um?
  • Welchen Einfluss hat die automatisierte Übersetzung auf die Qualität der Leichten Sprache insgesamt?
  • Wie erstellt man Podcasts in Leichter Sprache?
  • Wie gehen Behörden mit Leichter Sprache um?
  • Wie geht Dolmetschen in Leichter Sprache?

Und so entstanden Workshops, nach den erarbeiteten Themen benannt, in verschiedenen Räumen. Alle Teilnehmenden konnten auf diese Weise über die zwei Tage verteilt mehrere Workshops besuchen und ihr Thema vertiefen. Da die Workshops nicht moderiert waren, war ich etwas skeptisch, wie zielführend die Gespräche wohl würden. Aber zu meiner großen Überraschung stellte sich immer sehr schnell eine positive Dynamik ein und die Gespräche nahmen Fahrt auf.

Insbesondere in dem Workshop, der mir sehr am Herzen lag, nämlich die Entlohnung der Zielgruppe: Dort ergab sich nach knapp zwei Stunden tatsächlich eine Arbeitsgruppe, die sich Anfang März trifft, um das Thema weiter zu bearbeiten.

Allein das werte ich als großen Erfolg. Dem Feedback anderer Teilnehmenden nach zu urteilen, gab es auch gute Resultate in anderen Workshops. So wird an einem gemeinsamen Statement zum Umgang mit KI gearbeitet und es gibt Verabredungen zur Zusammenarbeit an verschiedenen Projekten.

Dokumentiert wurden die Gespräche durch das Graphic Recording von Simone Fass, visuelle Übersetzerin.

Fazit

Zwischen den Sessions haben wir alle viel genetzwerkt und Verabredungen getroffen. Für mich war es ein wichtiger Blick über meinen Tellerrand. Es gibt nämlich viele lose Enden im Feld Leichte Sprache:

Vom sprachlichen Aspekt über Soziales, Technisches, Mediales, Visuelles, Finanzielles, Organisatorisches und vieles mehr befasst sich so ziemlich jeder Bereich damit, Leichte Sprache besser zu machen: Besser verständlich, besser wahrnehmbar, besser insgesamt.

Ich habe jede Menge Input erhalten, wie ich meine eigene Dienstleistung besser machen kann, indem ich auf die geballte Kompetenz dieser Menschen zurückgreife. Seit dem BarCamp in Marburg habe ich die Vision von einem großen, bunten, wunderbaren Netzwerk aus Leichte-Sprache-Kompetenz auf allen Ebenen. Der Anfang ist gemacht.

Bildquellen

  • barcamp marburg: https://www.linkedin.com/search/results/content/?fromMember=%5B%22ACoAAC5TAuUBs9jNG9RzypROyo0-OlXSf9DUoUw%22%5D&heroEntityKey=urn%3Ali%3Afsd_profile%3AACoAAC5TAuUBs9jNG9RzypROyo0-OlXSf9DUoUw&keywords=alexander%20m%C3%BChlberger&position=0&searchId=a936c4ca-6f10-40cd-861a-0553efbf286d&sid=aD3&update=urn%3Ali%3Afs_updateV2%3A(urn%3Ali%3Aactivity%3A7143169670496354305%2CBLENDED_SEARCH_FEED%2CEMPTY%2CDEFAULT%2Cfalse)